Gedanken zur Zeit
Pfarrer Anton Novinscak
Liebe/r Leser/in der
Pfarrnachrichten!
In dieser Pfarrblatt-Ausgabe
möchte ich Ihnen einen Ausschnitt aus dem Hirtenbrief unseres Diözesanbischofs
Dr. Egon Kapellari weitergeben. Es könnte sein, dass einige von Ihnen diese
Aussagen schon kennen, weil sie das Sonntagblatt abonnieren.
Sonntagsblatt-Leser haben immer einen Vorteil. Sie sind über die wichtigen
Ereignisse in der steirischen Kirche gut informiert.
Zu den zwei Jubiläen, die
unser Herr Bischof heuer feiern kann – 50 Jahre Priester und 30 Jahre Bischof –
hat er uns am 8. September 2011 einen Hirtenbrief zukommen lassen.
Unser Herr Bischof Dr. Egon
Kapellari schreibt:
„Liebe katholische Christen in
der Steiermark!
Ein Blick auf die
Vergangenheit in 50 bzw. 30 Jahren macht dankbar für vieles, soll aber auch
Versäumnisse und Fehler nicht ausblenden und soll fragen lassen, was neu und
anders sein müsste und auch könnte. Manche Wünsche nach Veränderungen in der
Kirche geraten da und dort zu bedrohlichen Überforderungen, ohne dass dies
erkannt wird. In der jetzigen Situation der Kirche in Österreich können wir
einander zunächst helfen, Gegensätze besser auszuhalten und dann zum Teil auch
abzubauen und jedenfalls irgendwie fruchtbar zu machen. Betreffend die Substanz
unseres kirchlichen Glaubens und unserer katholischen Kirchenverfassung gibt es
Unaufgebbares, das als solches nicht verändert werden
kann. Dieses Unaufgebbare muß
aber gerade heute immer wieder erklärt werden, um besser verständlich zu sein.
Anderes ist in der Kirche veränderbar. Schreckliche und aggressive
Vereinfachungen von verschiedenen Seiten blockieren aber ebenso die Sicht auf
das wirklich Unveränderbare wie auf das schrittweise Veränderbare.
In der öffentlichen Meinung
betreffend die Kirche dominiert heute die Tendenz zu einer raschen Anpassung an
das, was allgemein einleuchtet. Wer dann darauf hinweist, dass auch heute und
gerade heute die Frage nach dem dreifaltigen Gott, die Frage nach dem tiefsten
Wesen der Kirche und die Frage, wie zentrale Glaubenswahrheiten angesichts
verbreiteten Nichtwissens besser erschlossen werden können, besonders dringlich
sind, der wird oft verdächtigt, er wolle lediglich von den Forderungen nach
Strukturveränderungen im Dienst einer ‚menschenfreundlichen Kirche’ ablenken.
Der unübersehbare Mangel an Priestern wird manchmal als die zentrale Ursache
für eine abnehmende Beteiligung am kirchlichen Leben und vor allem an der
Liturgie angesehen. Suggestiv wird dann oft gesagt, dass ohne eine Änderung der
Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Dienst das Netz der Seelsorge bald
zusammenbrechen werde, so als ob allein durch die Veränderungen der Zulassungskriterien
eine intensivere und erfolgreichere Seelsorge schon gesichert wäre. Dies
verdrängt unter anderem die Tatsache, dass es heute in Österreich und
Deutschland so viele amtlich in der Seelsorge mitarbeitende Frauen und Männer
gibt, wie noch nie in der bisherigen Geschichte. So wirken allein schon in
unserer Diözese ca. 70 Ständige Diakone, weiters die
vielen Ordensgemeinschaften, die ca. 130 Pastoralassistentinnen und
Pastoralassistenten, die ungefähr 160 in Pfarrsekretariaten tätigen Frauen und Männer.
Dazu kommt der große Einsatz von ca. 1.000 Frauen und Männern, die im
Religionsunterricht tätig sind. Gemeinsam mit einer großen Zahl von
ehrenamtlich Tätigen tragen sie das Netz einer vielgestaltigen Seelsorge. Ihnen
allen möchte ich auch in diesem Brief herzlich danken.
Nach einem vertieften Blick
auf Jesus Christus und auf Maria bräuchten wir heute, bezogen auf Kirche und
Gesellschaft, in Vielem eine Blickumkehr, um die ganze Wirklichkeit der Kirche
und Gesellschaft mit ihren Nöten aber auch Chancen einigermaßen zu erkennen.
Und wir müssten auch öfter auf die Weltkirche schauen und auf das, was dort an
Gutem unter oft viel schwierigeren Bedingungen aber mit einem fröhlichen
Glauben gelingt. Und wir müssten da besonders auch auf den Papst blicken. Die
Einheit mit ihm gehört untrennbar zur katholischen Identität. In anderen
Ländern der Erde ist man oft negativ erstaunt über die kirchlichen Probleme in
deutschsprachigen Ländern und kann vor allem nicht verstehen, dass Priester
angesichts verstehbarer Sorgen öffentlich zu Ungehorsam auffordern.
Selbstverständlich gibt es in der Kirche keinen blinden Gehorsam. Gerade heute
brauchen wir aber eine Kultur der Treue zu dem, was wir versprochen haben. Wenn
jemand ein solches Versprechen nicht halten kann, dann müssen wir helfen, mit
solchen Problemen einfühlsam und verantwortungsvoll umzugehen, ohne umgreifende
Ideale und Verpflichtungen aufzugeben.
Als Gemeinschaft der Kirche
werden wir den Auftrag des Evangeliums in unserer Gesellschaft nur dann
glaubwürdig verkünden können, wenn wir in Zukunft ein stärkeres Miteinander und
eine stärkere Verbindlichkeit in unserem gemeinsamen Tun leben. Dies gilt für
alle Gruppen und für alle Einzelnen in der Kirche.
Am Schluss danke ich allen,
die mir in meinen 50 Jahren als Priester und 30 Jahren als Bischof in Zuspruch,
aber auch in wohlmeinendem Widerspruch geholfen haben beim täglichen Versuch
zur Nachfolge Christi. Ich bitte Sie herzlich, zum Miteinander in unserer
Diözese und in der Weltkirche im Blick auf das Ganze und in Verantwortung dafür
nach Kräften beizutragen.“
Zusammenstellung: Pfarrer
Anton Novinscak
(Den ganzen Hirtenbrief, in
dem auch zu einer Gebets-Novene vom 14. bis 23. September 2011 eingeladen
wurde, finden Sie in der Sonntagsblatt-Ausgabe für den 11. September 2011.)